Roboter formen jetzt Raketenteile für Lockheed Martin – der Prozess sieht aus wie ein digitaler Schmied
Das Startup Machina Labs hat einen Vertrag gewonnen, um Metallkomponenten für eine Luftwaffenrakete herzustellen. Dabei kommen Roboterarme zum Einsatz, die Stahlbleche wie ein Schmied hämmern – nur schneller und von Software gesteuert.

Wichtigste Punkte
- Machina Labs hat 2025 einen Qualifikationsvertrag von Lockheed Martin erhalten, um Metallteile für das JASSM-Programm (Joint Air-to-Surface Standoff Missile) zu liefern.
- Dies ist das erste Mal, dass eine mit Machinas RoboForming-Technologie hergestellte Komponente den Qualifikationsstatus für ein US-Verteidigungsraketensystem erreicht hat.
- Machinas neue Factory 3, eine 200.000 Quadratmeter große Anlage, wird bis zu 50 Roboterformungszellen ausschließlich für Verteidigungskunden beherbergen.
- Lockheed Martin Ventures, der Investmentarm von Lockheed Martin, hat bereits vor der Ankündigung dieses Vertrags in Machina investiert.
Machina Labs, ein US-amerikanisches Fertigungsunternehmen, hat einen Qualifikationsvertrag von Lockheed Martin zur Herstellung von Metallteilen für die JASSM-Rakete erhalten. JASSM steht für Joint Air-to-Surface Standoff Missile, eine Langstreckenwaffe der US Air Force und ihrer Verbündeten. Wie The Robot Report erstmals berichtete, markiert das Geschäft einen echten Meilenstein: Es ist das erste Mal, dass Machinas Roboterformungsprozess die Anforderungen für ein aktives US-Raketenprogramm erfüllt hat.
Was macht Machina also konkret? Stellen Sie sich zwei Industrieroboter vor, die sich über ein flaches Rohmetallblatt, zum Beispiel Titan, gegenüberstehen. Sie pressen und hämmern das Blatt von gegenüberliegenden Seiten in einem sorgfältig koordinierten Rhythmus, und schieben es schrittweise in eine präzise dreidimensionale Form. Es funktioniert genau wie bei einem Schmied, nur dass die Roboter einer digitalen Designvorgabe folgen und innerhalb von Stunden zu einer völlig anderen Teilform wechseln können.
Diese Geschwindigkeit ist entscheidend. Die traditionelle Raketenherstellung nutzt Stanz- und Prägelinien, bei denen für jedes Teil eine maßgefertigte Stahlform hergestellt wird. Formen sind teuer und dauern Monate in der Herstellung. Machinas Roboterzellen benötigen überhaupt keine Form. Man ändert die Designvorgabe, und die Roboter ändern das, was sie herstellen. Das Unternehmen sagt, dass dies Produktionszeiträume von Monaten auf Tage verkürzen kann.
Für gewöhnliche Menschen ist die praktische Auswirkung einfacher als es sich anhört: Der Engpass beim Raketenbau liegt nicht bei der Konstruktion, sondern auf der Fabrikfläche. Machinas Ansatz ist, dass softwaregesteuerte Roboter Bestellungen erfüllen können, die ältere Fabriken einfach nicht schnell genug abwickeln können.
Um den neuen Vertrag zu bewältigen, eröffnet Machina Factory 3, eine 200.000 Quadratmeter große Anlage, die bis zu 50 seiner RoboCraftsman-Zellen aufnehmen soll. Die Fabrik wird Formung, Bearbeitung, Schweißen und Montage unter einem Dach kombinieren, alle ausschließlich für Verteidigungskunden wie Lockheed Martin.
Wichtig ist: Machina verkauft seine Roboterzellen nicht. Es fungiert als Auftragsfertigungsunternehmen: Kunden senden Designs, Machina fertigt die Teile. Man könnte es als eine sehr ausgefeilte, verteidigungs-zertifizierte Werkstatt bezeichnen.
Lockheed Martin Ventures, der Unternehmens-Investmentarm von Lockheed Martin, hatte Machina bereits vor Unterzeichnung dieses Vertrags unterstützt. Chris Moran, Vice President und General Manager, sagte, dass die Partnerschaft dazu beiträgt, „sicherzustellen, dass wir mission-kritische Fähigkeiten in großem Maßstab bereitstellen können".
Was bedeutet das für die Rüstungsherstellung?
Das bedeutet, dass das US-Militär aktiv auf softwaregesteuerte Fabriken setzt, um Produktionslücken zu schließen, die ältere Fertigungsverfahren nicht schließen können. Wenn Machinas Teile die vollständige Qualifikation bestehen, sollten andere Rüstungshersteller sich intensiv mit ähnlicher Roboterformungstechnologie für ihre eigenen Lieferketten befassen.



