Ein australischer Song erreicht Platz 1 im Radio. Jetzt fragen sich Menschen, ob KI ihn erschaffen hat.
Josh Fawaz' Cover von „Like a Prayer" erklomm die Spitze der australischen nationalen Airplay-Charts. Musikexperten sagen, dass es klingt, als hätte generative KI es produziert, nicht ein Mensch.

Wichtigste Punkte
- Josh Fawaz' Cover von Madonnas Klassiker „Like a Prayer" von 1989 erreichte 2024 Platz 1 in Australiens National Radio Airplay Chart.
- Musikexperten und arbeitende Musiker stellen öffentlich die Frage, ob der Track mit generativer KI erstellt wurde – der Technologie, die Audio, Bilder und Text aus einfachen Anweisungen produzieren kann.
- Fawaz entwickelte sich innerhalb weniger Monate von einem unbekannten Künstler zu einem viralen Namen, angetrieben durch Tausende von Radio-Ausstrahlungen.
- Bisher hat keine überprüfte unabhängige Analyse bestätigt oder ausgeschlossen, ob KI an der Produktion des Tracks beteiligt war.
Josh Fawaz war bis vor kurzem ein obskurer australischer Produzent. Dann begann sein Cover von Madonnas Klassiker „Like a Prayer" aus dem Jahr 1989, gespielt zu werden. Sehr häufig. Es erreichte die Spitzenposition in der National Radio Airplay Chart, einer Rangliste, die zählt, wie oft ein Song pro Woche über australische Sender ausgestrahlt wird.
Jetzt ist der Song Mittelpunkt eines Streits, der weit über die Karriere eines Künstlers hinausgeht.
Akteure der Musikindustrie und Mitmusiker stellen eine wichtige Frage: hat ein Mensch das wirklich gemacht? Die Besorgnis, über die The Guardian berichtet hat, ist, dass der Track mit generativer KI produziert worden sein könnte – Software, die Musik komponieren, arrangieren und abmischen kann, ohne dass eine Person eine einzige Note spielt oder ein einziges Wort singt. Man gibt ihr eine Anweisung, und sie erschafft dir einen Song.
Falls dieser Vorwurf zutrifft, ist das aus zwei Gründen wichtig.
Erstens zählten Radiostationen diese Ausstrahlungen gleich wie jede von Menschen gemachte Aufnahme. Chart-Positionen bestimmen, welche Künstler Plattenverträge, Tourneemöglichkeiten und öffentliche Aufmerksamkeit bekommen. Ein Track, der stillschweigend den menschlichen Kreativprozess überspringt, aber dennoch die gleichen Belohnungen einheimst, wirft ernsthafte Fairness-Fragen für Musiker auf, die Jahre damit verbrachten, ihr Handwerk zu entwickeln.
Zweitens gibt es derzeit keinen Standard in Australien oder den meisten anderen Ländern, der Künstler oder Labels verpflichtet, offenzulegen, wenn KI-Tools einen bedeutsamen Beitrag zu einer Aufnahme geleistet haben. Hörer, Radiomoderatoren und Chart-Compiler hatten keine Möglichkeit zu wissen, ob die Vorwürfe zutreffen.
Das bedeutet nicht, dass Fawaz etwas Illegales getan hat. Generative KI-Tools befinden sich in den meisten Musikmärkten derzeit in einer rechtlichen Grauzone. Sie zu nutzen ist nicht automatisch Betrug oder Urheberrechtsverletzung, obwohl dies in Gerichten in mehreren Ländern argumentiert wird, während Plattenlabel AI2Day-Musikunternehmen verklagen.
Was Experten fordern, ist Transparenz: ein einfaches, einheitliches Etikett, so wie Lebensmittelverpackungen Inhaltsstoffe auflisten. Du würdest wissen, was du hörst.
Was bedeutet das für Menschen, die Radio hören?
Vorerst bedeutet es sehr wenig im Alltag. Du kannst den Song trotzdem genießen. Aber es deutet darauf hin, dass Charts und Airplay-Zählungen – Kennzahlen, die die Industrie immer als Indikatoren echter menschlicher Popularität behandelt hat – möglicherweise neue Regeln benötigen, um aussagekräftig zu bleiben.
Die australische Musikindustrie hat noch keine formale Überprüfung angekündigt, wie KI-generierte oder KI-unterstützte Inhalte in der Airplay-Chart behandelt werden. Diese Diskussion ist aber jetzt sehr schwer zu vermeiden.



